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Paperlove

Tanz der Buchstaben auf ICON Papers

Die Kalligrafin Petra Wöhrmann

Kalligrafie von Petra Wöhrmann auf ICON Nature rough black.
Kalligrafie von Petra Wöhrmann auf ICON Nature rough black.

Wenn die Feder über das Papier kratzt, Schwünge ihre Form einnehmen und Buchstaben ihren Charakter erhalten, sieht man unter Umständen der Münchner Kalligrafin Petra Wöhrmann über die Schulter. So wie bei ihrer Leidenschaft für den Tango-Tanz, übertragen sich Energie und Emotionen bei jeder Bewegung auf das Papier. Anmut und Haltung in Buchstaben gegossen – auch auf ICON Papers Sorten zeigt sich die Kraft der Kalligrafie.

Porträtfoto der Kalligrafin Petra Wöhrmann
Die Kalligrafin Petra Wöhrmann in ihrem Atelier. Foto: © Petra Fritzi Hennemann

Wie bist du zur Kalligrafie gekommen?
Nach einigen Jahren in großen Agenturen in Hamburg und München, wo ich unter anderem Audi als Art Director betreut habe, war ich als freiberufliche Designerin unterwegs. Als ich meine Tochter bekam, wurde es zunehmend schwierig, für große Kunden zu arbeiten, denn ich konnte nicht immer »Feuerwehr« spielen. Und genau das war eigentlich das, was ich immer am besten konnte: unter Zeitdruck kreativ sein. Ich betreute schließlich eher kleinere Kunden, bis ich durch Zufall für fünf Jahre bei einer der größten deutschen Schauspieleragenturen landete. Das war gar nicht geplant und natürlich hat mir das Haptische, Handwerkliche gefehlt. Eines Tages erhielt ich einen Anruf einer Modeluxusmarke, die mich für ein Event in der Maximilianstraße in München als Live-Kalligrafin buchen wollte. Ich war vollkommen erstaunt, weil ich das ja noch nie gemacht hatte.

Du musstest improvisieren?
Ich hatte tatsächlich nur eine Woche Zeit, um mich vorzubereiten, und habe wie besessen mithilfe von Schriftbüchern geübt. Natürlich merkte ich schnell, dass das nichts wird, denn in sechs Tagen wird man keine Kalligrafin. Also habe ich mich auf mein Know-how als Grafikdesignerin konzentriert und wild ausgetobt. Ich interpretierte beispielsweise eine Schrift aus dem 15./16. Jahrhundert – modern, mit vielen Spritzern. Für den Job stellten sich 13 Frauen vor und sie haben mich und zwei weitere tatsächlich engagiert.

War das der Initialfunke?
Ja, einige Monate später erhielt ich einen Anruf von einer anderen Luxusbrand für ein Event. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, die Gäste mit einer geschriebenen Erinnerung glücklich zu machen. Daraufhin suchte ich mir ganz schnell eine gute Kalligrafin, von der ich lernen konnte. Ich fand sie in Barbara Calzolari, die eine Meisterin der Spitzfeder ist. Bei der Typografischen Gesellschaft München traf ich auf den großartigen Sign Painter Mike Meyer, ich belegte Kurse bei Jost Hochuli, wo ich die humanistische Kursive mit der Breitfeder erlernte – kurz: Ich bin überall hingefahren, wo es Workshops gab. Aber ich bin keine klassische Kalligrafin im eigentlichen Sinn – ich bin einfach eine Grafikerin, die gerne Handschrift macht, und nenne es selbst gerne »illustrative Schrift«.

Wie oft wurdest du denn schon gefragt, ob man davon leben kann?
Sehr oft. Interessanterweise fragen das aber nur Menschen aus Europa bzw. aus dem Westen. Jemand aus dem asiatischen oder arabischen Raum hat mich das noch nie gefragt. Dort ist Kalligrafie eine hoch angesehene Kunstform. Hierzulande ist man erstaunt, wenn ich erzähle, für welche Brands ich arbeite. Kalligrafie fristet in Deutschland ein Nischendasein, obwohl Typografie hier einen hohen Stellenwert hat.

Ist typografisches Know-how essenziell, wenn man sich mit Kalligrafie beschäftigt?
Ich würde das eher umdrehen und fragen: Wie kann man Typografie ohne kalligrafisches Wissen machen? Für mich ist in jedem Fall mein Background als Grafikerin ein großer Vorteil. Ich gehe mit Schrift auf der weißen Fläche oder aber im Raum ganz anders um und bin auch vielfältiger in den Schriften. Es macht mir unglaublich viel Freude, aus so vielen Schriften auswählen zu können und die passende für einen bestimmten Inhalt zu finden. Ein ganz praktischer Vorteil liegt auch darin, dass ich weiß, wie ich eine Druckdatei anlegen oder Schriften digitalisieren muss.

Man hat das Gefühl, Kalligrafie ist als Gegenpol zum Digitalen im Kommen. Freut es dich insgeheim, dass KI das Handwerk nicht verdrängen kann?
Ja, das lässt mich schon schmunzeln. Es ist wie eine Art Belohnung dafür, dass ich so geduldig meinen Weg gegangen bin. Und die Nachfrage nach diesem Echten und Handwerklichen nimmt definitiv zu. Es kommen derzeit so tolle Anfragen herein – der Rechner kann eben keine echten Emotionen ausdrücken. Ich teste schon immer mal wieder KI-Software aus, aber es kommt vollkommen langweiliges Zeug dabei heraus. Auch während eines Kurses zu KI-Management habe ich festgestellt, dass mir KI in kreativer Hinsicht nicht viel anhaben kann. Es hilft in organisatorischen Belangen, aber meine Arbeit wird sie mir nicht abnehmen.

Zählt Kalligrafie damit zu den Gegenströmungen in der durchdigitalisierten Welt?
Ja. Ich glaube an Yin und Yang. Wenn alles sehr technisch wird, entsteht automatisch ein gegenteiliges Bedürfnis. Und von der Warte des Kreativen aus gesehen, wird das Grundbedürfnis geweckt, sich haptisch auszudrücken. Auf dieser Suche nach einem Selbstausdruck kommt dann schnell die Schrift ins Spiel. Es muss nicht einmal Kalligrafie sein, sondern einfach die eigene Handschrift. Sie ist wie eine unverwechselbare Visitenkarte.

Kommen wir nochmals zur Live-Kalligrafie. Wie schaffst du es, im Trubel einer Veranstaltung so fokussiert zu arbeiten?
In den ersten zwei, drei Jahren war das natürlich schon nervenaufreibend. Nun, nach mittlerweile zehn Jahren, gehe ich in eine Art Schrift-Meditation und blende alles um mich herum aus. Ich freue mich im Anschluss auf Fragen und Gespräche, aber im Moment des Schreibens lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen.

Du gibst auch Workshops. Hast du das Gefühl, von den Teilnehmenden selbst noch etwas zu lernen?
Das kommt darauf an, was ich gerade lehre. Wenn es um schöne Buchstabenformen mit der Spitzfeder geht, dann natürlich nicht. Aber ich lerne menschlich sehr viel. Die Teilnehmenden nähern sich auf ganz unterschiedliche Weise den Buchstaben an, das finde ich sehr faszinierend. Es ist spannend, wie Menschen auf das Schreiben reagieren, welche Ruhe einkehrt, wenn sie mit der Feder umgehen. Vor zehn Jahren ging es mir rein um das perfekte Schriftbild, aber das hat sich total gewandelt. Mir macht es tatsächlich großen Spaß, mit Anfängerinnen und Anfängern zu arbeiten, weil sich hier eine ganz andere Welt öffnet. Auch die Arbeit mit Studierenden ist großartig – zu sehen, wie sie sich ganz ohne Rechner ins experimentelle Freischreiben stürzen und welch fantastische Ergebnisse das hervorbringt.

Was bedeutet Materialität für dich?
Abgesehen von Papier ist mir Haptik im Alltag wichtig: über schöne Oberflächen zu streichen, ob das nun ein Stoff oder ein Sofa ist. Materialität kann man ja auch sehen – Strukturen finde ich spannend. Was die Arbeit betrifft, so ist das Material die wichtigste Komponente und die Werkzeuge muss ich natürlich darauf abstimmen.

Kalligrafie auf Dom Pérignon Flaschen
Tiffany Birds Illustration auf Dom Pérignon Flaschen.

Ist das Papier zuerst da oder suchst du es gezielt aus, wenn du mit einer bestimmten Feder arbeiten möchtest?
Bei einer Auftragsarbeit bitte ich im Vorfeld darum, das Papier mit mir abzustimmen. Nicht jede Papiersorte ist für die Spitzfeder geeignet, und wenn ich dann mit normalem Füllfederhalter oder Fineliner arbeiten muss, ist die Enttäuschung groß. Bei freien Projekten überlege ich mir im Vorfeld, ob ich groß oder klein arbeiten möchte, mit Pinsel oder Feder, und suche dazu das passende Papier.

Welche Eigenschaften sind dir dabei generell wichtig?
Mit klassischem Bilderdruckpapier kann ich nicht viel anfangen. Ich mag es sehr, die Fasern eines Papiers zu spüren. Es gibt allerdings auch tolle Sorten, bei denen der Strich furchtbar ausläuft. Zudem ist jede Grammatur anders und man weiß nie ganz genau, was funktioniert und was nicht. Hier heißt es: experimentieren und ausprobieren.

Du hast auch schon mit ICON Papers-Sorten gearbeitet …
Ja, das ICON Nature rough black hat überraschend gut funktioniert, obwohl es ein Recyclingpapier mit rauer Oberfläche ist. Ich wollte unbedingt einmal Weiß und Gold ausprobieren und hatte mir verschiedene schwarze Papiersorten bestellt. ICON Nature Black war tatsächlich die raueste Sorte und ich konnte dennoch hervorragend darauf schreiben.
Bei dieser Arbeit mit Gold und Weiß war viel Flüssigkeit im Spiel, deshalb musste es ein dickeres Papier sein. Zudem ergab sich durch dieses matte, raue Material ein toller Kontrast zu den glänzenden Pigmenten der Farbe. Diese Gegensätze in der Materialität sind für mich viel spannender, als wenn ich auf einem glatten, schwarzen Papier kalligrafiere.

Woran arbeitest du momentan?
Abgesehen von Aufträgen stecke ich gerade in einem ungewöhnlichen Projekt mit der Modedesignerin Anita Koller aus München. Wir haben eine Schwarz-Weiß-Kollektion herausgebracht, bei der ich die weißen Teile mit individuellen Texten beschrifte. Das ist sehr spannend, denn auch hier verhält sich jeder Stoff anders. Wenn man dann letztlich sieht, wie die Stücke tatsächlich getragen werden, ist das ein tolles Gefühl.

Wann ist für dich eine Arbeit perfekt?
Ich mag das Wort eigentlich nicht und würde immer eher von »stimmig« sprechen. Wichtig ist, dass eine Arbeit etwas auslöst und berührt. Wenn etwas nicht totgestaltet, sondern lebendig ist.

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Artwork von Petra Wöhrmann auf ICON Glam fluffy.